Dorfkirche Sieversdorf

Ein Zeugnis mittelalterlicher Baugeschichte

Die Sieversdorfer Kirche gehört zu den ältesten erhaltenen Dorfkirchen der Region. Ihr Ursprung reicht in die erste Hälfte beziehungsweise an den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Darauf weisen das regelmäßige Mauerwerk aus sorgfältig bearbeiteten Granitquadern, das rechteckige Langhaus mit halbkreisförmiger Apsis im Osten sowie der ursprünglich in ganzer Breite vorgelagerte Westturm hin. Auch das spitzbogige Westportal stammt noch aus der Zeit des Gründungsbaus.

Vom mittelalterlichen Turm ist heute nur noch der Unterbau erhalten. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde der Oberturm neu errichtet; die Wetterfahne trägt die Jahreszahl 1683. Der neue Turmaufsatz entstand als quadratischer Dachausbau aus verbrettertem Fachwerk mit einer vierseitigen Pyramidenspitze.

Barocke Veränderungen und die Geschichte der Patronatsloge

Im Zuge der barocken Umbauten des 17. Jahrhunderts erhielt die Kirche zahlreiche Veränderungen. Damals wurden die Holzbalkendecke sowie die Orgelempore eingebaut; eine Balkeninschrift unter der Empore nennt das Jahr 1682, während der Mittelteil der Empore 1737 umgebaut wurde. Auch die Fenster wurden dem barocken Stil angepasst.

An der Nordseite entstand ein Fachwerkvorbau, von dem aus eine Treppe zur Patronatsloge führte. Diese Loge wurde allerdings in den 1950er Jahren abgerissen, der Zugang später vermauert. Unter dem Vorbau befand sich die Gruft der Familie von Strantz. Der Überlieferung nach führte vom nahen Gutshaus ein unterirdischer Gang direkt zu dieser Gruft.

Die neugotische Umgestaltung im 19. Jahrhundert

Eine weitere umfassende Renovierung erfolgte um 1860 im Stil der Neogotik. Dabei wurden Kanzel, Kirchengestühl, Patronatsloge, Taufstein und die Ausmalung der Kirche neugotisch umgestaltet. Auch der damalige Altar wurde erneuert.

Dieser neugotische Altar konnte später jedoch nicht mehr restauriert werden und wurde in den 1950er Jahren ersetzt. Erhalten blieb lediglich das Mittelbild, das heute an der Südwand der Kirche hängt.

Der historische Schnitzaltar

Besonders bemerkenswert ist der heutige Schnitzaltar, der aus verschiedenen Teilen unterschiedlicher Epochen zusammengesetzt und 1958 von der Kirchengemeinde Löwenbruch bei Ludwigsfelde für 2.000,- DM erworben wurde.

Die zwölf Figuren in den Seitenflügeln stammen überwiegend aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts und gehörten ursprünglich zu katholischen Heiligenfiguren, die später teilweise überarbeitet und den zwölf Aposteln zugeordnet wurden. Der auferstandene Christus im Mittelfeld entstand gegen Ende des 16. Jahrhunderts in der Renaissancezeit.

Auch die übrigen Bestandteile des Altars stammen aus unterschiedlichen Stilphasen: Die Ornamentik des Mittelfeldes ist spätgotisch, die Rahmung der Seitenflügel dagegen dem späten 16. Jahrhundert zuzuordnen. Bei der Restaurierung im Jahr 2005 wurden Predella und Unterbau ergänzt.

2001 war der Altar als Leihgabe in der Potsdamer Ausstellung "Marksteine. Eine Entdeckungsreise durch Brandenburg-Preußen" zum 300. Krönungsjubiläum Friedrichs I. im Jahr 1701 als Relikt der Reformationszeit zu sehen.

Epitaphe und Erinnerungen an die Familie von Strantz

Die Kirche besitzt außerdem bedeutende historische Ausstattungsstücke. Die Epitaphe an der Süd- und Nordwand erinnern an die jeweiligen Gutsherrenfamilien.

Das Wandepitaph an der Südwand zeigt Ehrentreich von Strantz (gestorben 1723) und seine Ehefrau Elisabeth Christine, geborene von Birkholz (gestorben 1718). Die heutigen Gemälde sind Kopien, die 2005 von einem Nachkommen der Familie gestiftet wurden, nachdem die Originale 1993 bei einem Einbruch gestohlen worden waren.

Das aus Kiefer- und Lindenholz gefertigte Epitaph wurde 2005 umfassend restauriert. Die dargestellte Figur des Cronos beziehungsweise Todesengels erinnert an die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens.

An der Nordwand befindet sich die hölzerne Ahnentafel des Friedrich von Strantz (gestorben 1671) und seiner Ehefrau. Sie zeigt sechzehn Familienwappen und ist mit reich verziertem Knorpelwerk gerahmt. Auch dieses bedeutende Kunstwerk wurde in den Jahren 2004 und 2005 restauratorisch gesichert.

Die Sauer-Orgel von 1891

Die heutige Orgel wurde 1891 in der Werkstatt Sauer in Frankfurt (Oder) gefertigt und ersetzte eine ältere Barockorgel aus dem 18. Jahrhundert. Nach 1990 restaurierte die Orgelwerkstatt Scheffler das Instrument.

Die angehobene Bretterdecke über der Orgel lässt noch die größere Dimension der früheren Barockorgel erkennen. Die jetzige Orgel verfügt über fünf Register im Manual sowie ein Pedalregister.

Mittelalterliche Wandmalereien

Von besonderem kunsthistorischem Wert sind die mittelalterlichen Wandmalereien aus dem späten 14. Jahrhundert. Eine in den 1950er Jahren freigelegte Szene auf der Orgelempore zeigt Adam bei der Feldarbeit und Eva bei der Hausarbeit.

Untersuchungen im Oktober 2004 ergaben, dass sich diese Malereien ursprünglich über das gesamte Kirchenschiff erstreckten. Eine vollständige Freilegung wurde jedoch aus Gründen der Erhaltung und der hohen Kosten verworfen. Stattdessen konzentrierte man sich darauf, den historischen Putz zu sichern und restauratorisch zu festigen.

Bewahrung und Restaurierung im 21. Jahrhundert

Die jüngsten umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurden im August 2005 abgeschlossen. Grundlage der Innenraumgestaltung war eine eingehende restauratorische Untersuchung, die den historischen Charakter der Kirche bewahrte und zugleich ihre lange, vielschichtige Geschichte sichtbar machte.