Gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung

Gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung

Gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung

# Kirchenkreis

Gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung

Klimaschutz? Will darüber heute überhaupt noch jemand reden? In Zeiten multipler Krisen, politischer Spannungen und wachsender gesellschaftlicher Unsicherheiten wirkt das Thema manchmal wie ein weiteres Problem unter vielen. Und doch ist die voranschreitenden Verschlechterung unserer natürlichen Lebensgrundlagen längst keine Zukunftsfrage mehr, sondern Realität, die sich über langen Zeitraum aufgebaut hat.

Wer in diesen Jahren durch Brandenburg fährt, sieht mittlerweile vielerorts, dass sich etwas verändert hat. Wälder, die über Generationen hinweg als selbstverständlich erschienen, tragen kahle Kronen oder stehen immer häufiger in den heißen Sommermonaten in Flammen. Böden, die früher Feuchtigkeit speichern konnten, trocknen während zunehmender Dürreperioden bis in tiefere Schichten aus. Auf manchen Feldern hebt der Wind den Sand an und trägt ihn davon. Auen und Moore haben vielerorts schon vor langer Zeit ihre Verbindung zum Wasser verloren, wodurch Pflanzen, Tiere und ganze Lebensgemeinschaften unter Druck geraten sind. Was wir erleben, ist keine Reihe einzelner Umweltprobleme. Es ist ein schleichender Verlust jener natürlichen Grundlagen, auf denen menschliches Leben und damit auch das Leben der Schöpfung in ihrer Vielfalt beruhen. 

Zugleich erleben viele Menschen diese Zeit als eine Zeit der Überforderung. Kaum ist die Pandemie einigermaßen überwunden, bestimmen Kriege, geopolitische Spannungen, Energiekrisen, wirtschaftliche Unsicherheiten und technologische Umbrüche die Nachrichten. Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz weckt Hoffnungen, aber auch Sorgen um Arbeitsplätze und gesellschaftliche Veränderungen. Die zunehmende Aufrüstung in Europa und weltweit verstärkt bei vielen das Gefühl, dass wir in einer Epoche tiefgreifender Unsicherheit leben. 

Auch unsere Kirche bleibt von diesen Entwicklungen nicht unberührt. Sinkende Gemeindegliederzahlen, der demografische Wandel und knapper werdende finanzielle Spielräume stellen Gemeinden und Kirchenkreis vor schwierige Entscheidungen. Die Gebäudebedarfsplanung führt vielerorts zu schmerzhaften Prozessen. Gebäude, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte Orte des Glaubens, der Gemeinschaft und persönlicher Erinnerungen waren, können nicht immer in ihrer bisherigen Form erhalten werden. Solche Entscheidungen berühren Menschen tief, weil sie mehr betreffen als Mauern und Dächer. Sie berühren die Frage, wie Kirche in Zukunft Gestalt gewinnt. Und als ob all dies nicht schon herausfordernd genug wäre, ist selbst die Frage des Klimaschutzes und damit die der Bewahrung der Schöpfung zunehmend politisch aufgeladen. Ein Thema, das eigentlich alle Menschen verbindet, die Sorge um die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel, wird nicht selten genutzt, um Gräben zu vertiefen und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen. Zwischen Alarmismus und Abwehr, zwischen Schuldzuweisungen und Resignation entsteht leicht der Eindruck, dass konstruktives Handeln kaum noch möglich ist. 

Wie kann man in einer solchen Situation handlungsfähig bleiben? Wie lässt sich die Klimakrise ernst nehmen, ohne sich von der Fülle der Probleme lähmen zu lassen? Und welche Rolle kann Kirche und Glaube dabei spielen? 

Vielleicht beginnt eine Antwort mit einem Perspektivwechsel. Die Herausforderungen unserer Zeit fordern uns heraus, nicht nur Verluste zu verwalten, sondern vorhandene Potenziale neu zu entdecken. Gerade in unseren Kirchengemeinden gibt es ein großes Maß an Erfahrung, Verantwortungsbewusstsein, Kreativität und praktischer Tatkraft. Es gibt Menschen, die Gebäude instand halten, Gärten pflegen, Flächen verantworten, Fördermittel beantragen, Gottesdienste gestalten, Gemeinschaft stiften und mit großer Ausdauer Verantwortung übernehmen. Dieses Engagement ist ein Schatz. 

Die Bewahrung der Schöpfung kann zu einem sozial-ökologisch ausgerichteten Kristallisationspunkt und dem Beginn einer Aufbruchsbewegung werden, an dem viele dieser Kräfte zusammenfinden. Sie verbindet geistliche Orientierung mit ganz praktischem Handeln. Sie eröffnet Möglichkeiten, kirchliche Gebäude energieeffizient zu gestalten, Flächen biodiversitätsfördernd und klimapositiv zu nutzen, regionale Wertschöpfung zu stärken und neue Partnerschaften mit Wissenschaft, Landwirtschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft einzugehen. Klimaschutz bedeutet in diesem Sinne nicht Verzicht, sondern die gemeinsame Gestaltung einer lebenswerten und gelingenden Zukunft. 

Vor diesem Hintergrund gibt es seit dem 1. April 2026 im Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree erstmals ein Klimamanagement. Wir, Hannes Raßmann und Martin Fritsch, freuen uns sehr, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Unsere Stelle wird über die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundes im Rahmen der Kommunalrichtlinie gefördert. In den kommenden zwei Jahren erarbeiten wir ein integriertes Klimaschutzkonzept für den Kirchenkreis. Wenn dieses Konzept von der Kreissynode beschlossen wird, kann sich eine weitere, überwiegend durch Bundesmittel geförderte dreijährige Umsetzungsphase anschließen. Dann sollen die gemeinsam entwickelten Maßnahmen Schritt für Schritt in die Praxis gebracht werden. 

Das Klimaschutzkonzept soll ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Erreichung der kirchengesetzlich festgelegten Klimaschutzziele der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sein. Es wird konkrete Wege aufzeigen, wie Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen zum Klimaschutz beitragen können. Dabei geht es um Gebäude und Energie, Mobilität und nachhaltige Beschaffung, aber ebenso um natürlichen Klimaschutz, klimapositive und schöpfungserhaltende Landnutzung, regionale Wertschöpfung sowie die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme. 

Wichtig ist uns, dieses Konzept nicht am Schreibtisch zu entwickeln, sondern gemeinsam mit den Menschen in den Gemeinden, mit Ihnen und mit Euch. Viele Kirchengemeinden verfügen bereits über wertvolle Erfahrungen, gute Ideen und ein großes Verantwortungsbewusstsein. Daran möchten wir anknüpfen. In Workshops, Gesprächen und Veranstaltungen wollen wir zuhören, voneinander lernen und Maßnahmen entwickeln, die fachlich fundiert und zugleich praktisch umsetzbar sind.

Darüber hinaus verstehen wir uns als Ansprechpartner für konkrete Fragen aus den Gemeinden. Wir beraten unter anderem zu energetischer Sanierung, nachhaltiger Heizungserneuerung, Photovoltaik, Fördermitteln, klimafreundlicher Mobilität sowie zu Möglichkeiten, kirchliche Land- und Forstflächen so zu nutzen, dass sie gleichzeitig dem Klimaschutz, dem Erhalt der Biodiversität und der regionalen Wertschöpfung dienen. Ein wichtiger Teil unserer Aufgabe besteht außerdem darin, Menschen und Initiativen innerhalb und außerhalb des Kirchenkreises miteinander zu vernetzen und langfristige Partnerschaften mit Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kommunen und Politik aufzubauen. 

Martin Fritsch bringt als Diplom-Bauingenieur und langjähriger selbstständiger Gebäudeenergieberater umfangreiche technische Erfahrung mit. Sein Schwerpunkt liegt insbesondere auf nachhaltiger Energieversorgung, energieeffizienter Gebäudesanierung und der Entwicklung praktikabler Lösungen für kirchliche Gebäude. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und engagiert sich seit vielen Jahren in der Kirchengemeinde Fürstenwalde sowie im Bauausschuss des Kirchenkreises. In seiner Freizeit ist er gerne wandernd in der Natur unterwegs.

Hannes Raßmann ist Sozial- und Kulturanthropologe und hat in den letzten Jahren im Rahmen seiner Dissertation zur Revitalisierung des Leipziger Auenökosystems geforscht. Seine Schwerpunkte liegen in naturbasierten Klimaschutzlösungen, Kohlenstoffmanagement, klimapositive Landnutzung und regionaler Wertschöpfung. Um das zu erreichen, möchte er gerne auch ab und an direkt seine Hände in der Erde haben, wie er symbolisch  mit der aus Leipzig zu Beschäftigungsbeginn mitgebrachten Erde verdeutlichen wollte. Ihm ist besonders wichtig, dass Klimaschutz sozial gerecht gestaltet wird und sich in bestehende kulturelle und gemeinschaftliche Zusammenhänge einfügt. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern, fährt gerne mit dem Fahrrad durch die Stadt, geht am liebsten in die Boulderhalle und stellt ab und zu Pflanzenkohle für eine solidarische Landwirtschaft her. 

Martin Fritsch erreichen Sie dienstags und donnerstags unter 0172 9896966 oder per E-Mail an martin.fritsch@gemeinsam.ekbo.de.

Hannes Raßmann ist montags bis mittwochs erreichbar unter 0163 4969125 oder per E-Mail an hannes.rassmann@gemeinsam.ekbo.de.

Allgemeine Anfragen können jederzeit an klimamanagement@ekkos.de gerichtet werden. Unser Büro befindet sich in der Steingasse 1a in 15230 Frankfurt (Oder). 

Wir freuen uns darauf, mit Ihnen und Euch ins Gespräch zu kommen, von bestehenden Erfahrungen zu lernen und gemeinsam neue Wege zu entwickeln. Die Bewahrung der Schöpfung ist eine Aufgabe, die uns alle verbindet. Wenn es gelingt, technisches Wissen, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktisches Engagement und christliche Hoffnung zusammenzubringen, kann Kirche zu einem wichtigen Ort werden, an dem zukunftsfähige Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit entstehen.

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