Aktuelle Nachrichten aus Kuba

Aktuelle Nachrichten aus Kuba


# Kuba - Partnerschaft
Veröffentlicht am Freitag, 8. Mai 2020, 12:30 Uhr
© Enrico Konkel

Immer wieder denken viele von uns an unsere Geschwister in Kuba: Wie geht es ihnen in der aktuellen Krise, die für sie mehr als nur den gesundheitlichen Aspekt hat?

Am 25. April, konnte Superintendent Frank Schürer-Behrmann eine Weile mit unserer Partnerpfarrerin Marielys Cabrera im Pfarrhaus telefonieren und möchte nun weitersagen, was sie erzählt hat:

Der Corona-Virus ist auch auf Kuba angekommen. Nach den offiziellen Angaben gibt es über 1000 Infizierte und täglich 50 neue Fälle. 60 Menschen sind an der Krankheit gestorben, davon eine Person auch in Camajuaní. La Habana und die Provinz Villa Clara, wo unsere Partnergemeinde Camajuaní liegt, sind die Zentren der Krankheit auf Kuba. Dass das ländliche Villa Clara so betroffen ist, kann damit zu tun haben, dass hier Mitte März zumindest in Camajuaní das jährliche Stadtfest "Parranda" stattfinden sollte. Dazu kamen nach Aussage von Marielys auch viele Touristen, u.a. Kubaner*innen aus Spanien, die den Virus mitgebracht haben können. Die Parranda, die wir als tolles, flautes, fröhliches, friedliches und kreatives Fest kennengelernt haben, musste dann kurzfristig abgesagt werden.

Inzwischen ist ein Teil von Camajuaní, wo es mehrere Kranke gibt, ganz abgeriegelt und die Bewohner dürfen den Stadtteil nicht verlassen. Umgekehrt kommen nur staatliche Institutionen in den Bereich, in dem auch unsere Freundin Jaquelín, die Schatzmeisterin wohnt. Auch alle Märkte sind verboten. Damit wird die Ernährungssituation, die nun ganz von der staatlichen Versorgung abhängt, noch schwieriger. Zunächst konnten die Menschen noch etwas von den Vorräten leben, die sie angelegt hatten, aber die werden auch weniger. "Einige schlachten ein Schwein, andere versuchen ein paar Brötchen zu backen und zu verkaufen" - alles natürlich nicht legal. Unter den gegebenen Bedingungen musste die Gemeinde auch aus hygienischen Gründen das Mittagessen für Senioren absagen. Um die Betroffenen zu unterstützen, geben sie nun den Senior*innen eine finanzielle Unterstützung in "moneda nacional", der nicht-konvertiblen Landeswährung, damit sie nach Möglichkeit selbst noch etwas kaufen können. Besonders versucht die Gemeinde die im Blick zu haben, die alleine leben. Wie wir wissen, sind in Kuba die Familien auch wichtige wirtschaftliche Unterstützungssysteme, so dass es die Alleinlebenden jetzt besonders schwer haben. Zum Glück konnte unsere Mit-Kuba-Begeisterte Petra aus Erkner auf einer persönlichen Reise im Januar noch Camajuaní besuchen und dort unsere "Jahresunterstützung" überbringen, so dass einige finanzielle Vorräte vorhanden sind.
Zu den Diensten, die die Gemeinde weiterhin leistet, gehört auch die Abgabe von gereinigtem Wasser, jetzt immer wöchentlich am Montag. Zur Corona kommt auch eine große Trockenheit dazu, so dass die Versorgung mit Wasser und zumal mit sauberem schwierig ist.
Die staatliche Unterdrückung ist aktuell auch verschärft: Wer bei Zuwiderhandlungen wie Schwarzmarkthandel erwischt wird, die ja teilweise lebensnotwendig sind, muss mit Strafen bis hin zu Haft rechnen. Im Übrigen sind auch Reisen von einer Provinz in die andere aktuell untersagt.

Frank Schürer-Behrmann hat Marielys gefragt, ob eine zusätzliche finanzielle Unterstützung jetzt hilfreich wäre und wie wir sie der Kirchengemeinde zukommen lassen könnten. Dafür sammeln wir jetzt eine Spende. Wir möchten besonders die Geldausgabe an die Bedürftigen unterstützen! Wer etwas dazugeben möchte, teile das bitte bis zum 8. Mai der Superintendentur mit.

Herzlichen Dank allen, die mitdenken und -beten.

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