Wir begrüßen 5 neue Gemeindepädagoginnen

Wir begrüßen 5 neue Gemeindepädagoginnen


# Kinder, Kinder
Veröffentlicht am Dienstag, 26. November 2019, 08:39 Uhr

Ansprache über Markus 10,13-16 zur Einführung neuer Gemeindepädag*innen bei der Kreissynode am 23.11.2019

I

Liebe Synodengemeinde, liebe Gemeindepädagog*innen,

das ist eine der bekanntesten Geschichten aus dem Neuen Testament – und eine der schönsten und eine der beispielhaftesten.

Es geht darum wer dazu gehört und wer nicht dazugehört.

Das ist ja ein, wenn nicht das Grundthema der Bibel: wer gehört dazu?

Die Bibel beginnt ja mit der Geschichte eines schmerzhaften Ausschlusses: Die Menschen werden aus dem Garten Eden vertrieben, ihre Beziehung zu Gott wird zerbrochen, und kurz danach auch ihre Beziehungen untereinander (Kain und Abel / Turmbau zu Babel).

Und wir könnten sagen, die Bibel ist von diesem Ausschluss an die Geschichte davon, wie die göttliche Kraft alle wieder zusammenbringt und einschließt in ihre Liebe.

Es beginnt mit dem Volk Israel, zu dem Gott eine besondere Beziehung aufbaut und sie durch Hohes und Tiefes bewahrt.

Jesus Christus will diese Liebesbeziehung dann auf alle Menschen ausweiten: alle sollen wieder dazu gehören.

Leider gefällt uns Menschen das ja nicht immer.

Wenn wir selbst dazu gehören sollen, sind wir sehr zufrieden und finden das genau angemessen.

Aber die anderen? Die aus einem anderen Land, die mit einer anderen Kultur oder Religion, die mit einer körperlichen und seelischen Einschränkung, die, die keine Arbeit haben, die nicht ganz so viel Geld haben, die, die nicht so lieben wie die Mehrheit, die mit einem anderen Geschlecht, und da ist schon das weibliche Geschlecht ein anderes Geschlecht, die, die noch nicht die körperlichen und geistigen Kräfte eines Erwachsenen haben, die sollen nicht dazu gehören und schon gar nicht mitbestimmen.

Da sind auch die Jünger in dieser Geschichte beispielhaft: sie fahren die Kinder und ihre Begleiter an. Sie fühlen sich im Recht. Sie setzen doch nur die natürliche Ordnung durch.

Wer gehört dazu? Jesus erklärt es ihnen geduldig, könnten wir denken. Nein, tut er nicht. In der Bibel steht: Er wurde unwillig, und nicht mit den Kindern, sondern mit den Ausschließern. Mann, Jesus, danke. Ich frage mich manchmal auch, wie lange wir noch mit den Ausschließern geduldig sein müssen. Aber dann denke ich, meistens warst du ja doch geduldig, und du hattest die Jünger dann trotzdem lieb...

Jedenfalls sagt Jesus nicht, lasst die Kinder zu mir kommen, denn wir wollen ihnen noch etwas beibringen, und er sagt auch nicht: lasst die Kinder zu mir kommen, es sind so arme Würstchen.

Nein, er sagt: Solchen gehört das Reich Gottes, und nehmt euch an ihnen ein Beispiel – wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen! Gott ist nicht nur bei uns, sondern noch mehr bei ihnen, und ohne sie sind wir unvollständig.

Lasset die Kinder zu mir kommen! Alle gehören dazu - eine beispielhafte, eine paradigmatische Geschichte!

Auf neudeutsch heißt das Inklusion.

Auf theologisch heißt das Rechtfertigung der Gottlosen. Bei Gott gibt es keine Eintrittsbedingungen und keine notwendigen Vorleistungen, kein Wissen, keine besondere Moral, kein Geschlecht und keine geschlechtliche Orientierung, kein Alter, keine Kultur. Sondern nur den Wunsch, ja, ich will in dieser Liebes- und Gemeinschaftsgeschichte dabei sein.

II

Liebe Gemeindepädagog*innen, ihr tretet also in das Kerngeschäft der Kirche ein. Nicht, den Kindern beizubringen, wie man als Christ leben muss. Sondern gemeinsam mit ihnen zu entdecken, wie Gott mit ihnen und uns allen leben möchte.

Dazu bringt ihr tolle Voraussetzungen mit, weil ihr alle schon in Eurer Weise Erfahrungen mit der Grenzüberschreitung gemacht habt:

Frauke Fiedler, Du hast inkusive Pädagogik studiert und im Servicebereich Barrierefrei des Kirchentags gearbeitet.

Annemarie Mai, du bist in Reichenwalde in einem Ort aufgewachsen und lebst dort, wo das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen seit Jahrzehnten selbstverständlich ist.

Felix Krämer, Du hast im frommen Moritzburg nicht nur Gemeindepädagogik studiert, sondern auch einen Studiengang interreligiöse Kompetenz absolviert.

Juliane Cadden, Du hast in unterschiedlichen Berufen Erfahrungen gemacht und in Irland gelebt und sogar einen irischen Namen angenommen.

Sarah Behlendorf, Du bist vielleicht am weitesten unterwegs gewesen – bis in die Mongolei und nach Mexico, und jetzt studierst Du ländliches Leben in Ostbrandenburg, wo du ja auch herkommst.

Und alle meint ihr nicht, dass ihr die Weisheit schon gepachtet habt, sondern drei von Euch sind trotz eurer Vorbildung noch einmal im berufsbegleitenden gemeindepädagogischen Studium unterwegs.

Herzlich willkommen, und neben allen Anstrengungen, die Eure Arbeit mit sich bringen wird, besonders auch in der Organisation und Koordination in unserer kleinteiligen Region mit vielen Orten und großen Wünschen, habe ich ein gutes Gewissen, dass wir Euch in einer sehr schönen Arbeit begrüßen. In Abwandlung unseres kreiskirchlichen Leitspruchs „Gemeinsam unterwegs mit Gott und den Menschen“ – ihr könnt gemeinsam mit Gott und den Kindern unterwegs sein. Da fällt mir nicht viel ein, was schöner sein könnte. Dafür möchten wir jetzt für Euch beten und Gottes Segen erbitten.

Und in einer freien Anwendung der biblischen Geschichte möchte ich Euch und uns allen einen praktischen Vorschlag machen: Oft werden ja die Gemeindepädagog*innen gefragt, wann kommen denn nun die Kinder und Familien in den Gottesdienst? Und das werdet ihr bestimmt auch gefragt werden und werdet dann vielleicht unruhig. Ich finde, im Sinne Jesu sollten nur die das fragen und dazu einladen dürfen, die ihrerseits einmal den entgegengesetzten Weg gegangen sind und Euch in der Christenlehre und den Kindergruppen besucht haben, die im Sinne Jesu ernst genommen haben, dass es nicht darum geht, dass die Kinder werden wir die Erwachsenen, sondern die Erwachsenen wie die Kinder. Amen. 

Frank Schürer-Behrmann